wie weit muss ich von der erde entfernt sein um deine zeit zu begreifen indem ich in der meinen verharre? die zukunft die du mitgebracht hast, macht mich sorgfältig krank. im grunde bin ich ein nachtmensch, der seiner nacht beraubt wurde. ich bin erz, ich gebar das blei für die soldaten die unbewaffnet wache halten. ich bin der zersprungene unterleib der mutter der man das menschenlose hemd zurückgebracht: die leerenleere; so verbrennt sie das papier nicht wo neben dem namen „vermisst“ steht sie hat angst, wenn er auch verschwindet, könnte es noch leerer werden; ich bin die gussform, habe mich in ihre lautlosigkeit eingeschabt, ich schweige ihrer gnade unwürdig. - ausruf oder seufzer - wie weit muss ich von dir entfernt sein um das glucksen der erde zu vernehmen, indes sie ihre jungen verdaut? mögen irregewordene tiere durch mich hindurchtoben, auf der flucht aus ihren flammen; lass die züge durchs rippenfell scheppern, mögen auf meinem zerwühlten rücken die kampfjets kommunion empfangen vor jedem neuen abflug; mögen sich die krematoriumsdämpfe aus den abgründen meiner kehle erheben ich steige nie wieder empor! nicht mal die asche! zu nichts! zu nichts! aus kinderweinen sollt ihr keine explosiven kerne entfernen lass zerstören! auslöschen! — ich bin ein sandturm auf den es eine warme adriawelle abgesehen hat. die fahnen auf meiner zitadelle, golden und rot beben ihr entgegen, leise abreissen soll sie mich! ausweiden! die partikel meiner trauer soll sie unter den fischen verteilen mich lindern und den korallengerippen zurückgeben. * du steigst ab, ich empor; wir singen ein schlaflied zu den bläulichen sternen. ich weine nicht, es flüstern nur kleine särge aus mir: gebäre uns!, statt der nabelschnur zerbeissen sie den stacheldraht; die erinnerung an den tod trieft von ihren lippen. darunter, kündigt sich die nacht an die nacht die gnadenvolle. *
es war so leicht, als er auf die welt kam nur ein paar mal hat es ihr so richtig den bauch zusammengezurrt eins-zwei-da war er schon ihr energiebündel ihr leben ein paar mal hat sie ihn beinah verloren, einmal im fluß, als er elf war und dieses zweite mal so lange hat er sich nicht gemeldet wobistduhin? wobistduhin? ihr längst verstorbener ehemann schenkte ihr zur geburt ein goldenes armband mit gravur „danke dir“ wobistuhin wobistuhin am grab war sie auch lange nicht mehr es ist weit und sie... ...hat nichts gesehen, es regnete (oder sie dachte, es hat geregnet) irgendwo muss es geregnet haben als sie, 86, barfuß in einem nachthemd nach ihrem baby suchen ging dann kam das licht * sie kletterten über die Straßensperrungen mit geladenen Handykameras in den Händen scharf schießen das gibt's nur einmal wobistuhinwbsthn am dürren gelenk, was quer über die feuchte schiene liegen blieb fehlte das goldene armband die menschen mit leeren kameras in den händen waren schon weg niemand hat was gesehen. *
die vorfahren des homo sapiens bedienten sich einer einfachen sprache meist kommunizierten sie mit gesten, schreien oder grunzen primaten warnten so ihre mitwesen vor einer gefahr oder benachrichtigten sie über ihren emotionalen zustand. komplexe wörter und sätze entwickelten sich später sprachen sind viele. die aussagen des gewebes, das die laute produziert die luft ein- und wieder ausatmet, stockend stimmhaft oder beschleunigt, darunter bleiben dieselben. wer verstehen will, macht es auch. wer nicht will, umsonst wurde ihm die sprachfähigkeit gegeben. mit derselben axt kann man das holz zum heizen kleinhacken und jemanden enthaupten. an einem sonnigen, fast frühlingshaften tag schreibt ein mensch dem anderen: „ich habe bitterlich geweint. es war alles umsonst.“ * über die vorläufig wiederhergestellte telefonleitung, berichten die mütter trocken: die babys sterben in unseren armen. hier ist nichts auch keine tränen. überlebt hat nur die anna, holt sie bitte wir tranken wasser aus dem heizkörper ein paar vögel schweigen auf der kante des eisenstücks was einst eine rutsche war. heute früh lackierte sie sich die nägel, um dem all zu zeigen sie habe keine angst vor ihm ihrem sohn schob sie den superman aus plastik in die hand und sagte komm, wir gehen und sie gingen ich habe es mit den eigenen augen gesehen: der superman durchbrach die kulissen, nahm die anna in seine arme und flog richtung krypton auf dem dach des dramatheaters stand bis gestern geschrieben: „дети“ heute ist es weg; über den schutthaufen rennt der hund und sucht nach den sterblichen überresten seiner seele. ein paar straßen weiter, das heißt dort, wo sie mal waren, sitzt schon tagelang meine nachbarin in einem schaukelstuhl und seufzt *
an diesem ort wurden wir vor vielen jahren eingesammelt zu viele um mich zu erinnern wann genau aber ich erinnere mich wer sie waren ich trug dich im tuch unter meiner brust wohin? am dritten tag hast du aufgehört zu atmen und mich haben sie glaube mitgenommen und getötet irgendwo im wald ich weiß es nicht mehr aber ich weiß wer sie waren an sie erinnere ich mich immer weisst du dass alle gebärmütter gleich sind optimale temperatur und nährstoffe schützen die frucht vor krankheit erfrieren und hunger; das wasser schützt sie vor erschütterungen und lauten geräuschen die ihr zartes vorsein gefährden könnten als du aufgehört hast zu atmen, sagte ich zu dir: mach dir keine sorgen all das geht vorbei!, du wirst wach und wirst sehen dass du schlecht geträumt hast und all das ist lüge härter als atomkern unerschütterlich wie all oder traum vor dem ich gern geflüchtet wäre, wenn meine beine nicht zersprengt worden von der sehnsucht nach einer bekannten stimme die mir über die pappeln singt die blühen, beruhigt und fürchterlich wie atomkern oder tag weiß wie der anfang schmerzt wenn du ihn einatmest sein erster akkord schnitt sich in meinen bauch knapp übers delta floß milch dahin weißt du alle gräber sind gleich optimale ruhe und vollkommene abwesenheit schützen die frucht vor erinnerung an den krieg den sie mit paradies verwechselt; das wasser verlässt ihren körper um die pappeln zu ernähren ihre widerstandsfähigkeit gegen erschütterungen und laute geräusche zu stärken, in zarter vorbereitung auf ihr vorsein; ich fürchte du wirst dich nicht erinnern wer wir waren ich fürchte die lüge wird dich adoptieren wenn ich aufhöre nach deinen knochen zu suchen, wenn dein name, in einer erinnerungswand eingraviert aufhört in meinem unterleib zu kratzen und nichts kann sie übertäuben außer herz wenn es explodiert außer pappel die wieder blüht weiß und warm fürchterlich *
vom langen spiel überhitzt lachen deine leben jenseits des (bull)auges ihre gesichter erkennst du nicht wieder noch das frische gezwitscher der knochen, die ungeduldig aus dir herauswachsen. nasse und rötliche baumstämme schmiegen sich aneinander dem meteoritenschauer entgegen. du träumst immer dem näher, wonach du nicht aufgebrochen bist und wo du nie ankommen wirst. *
jene kinder tanzten auch nur vor den kameras mit löchern im rücken und von allein entzündeten sich die spatzenknochen in den armen der mutter; wilde tiere fressen einander das ist natur; nie hat es jene stadt gegeben, deren grundriss du in den pupillen des jungen aus der gruppe der An Der Grenze Aufgehaltenen ahnst; sie sind sie wir sind wir du kannst nichts dafür komm iss es wird kalt gewalt ist ansteckend deswegen wirf für alle fälle den stein auf den vogel; worte schmerzen erst nachdem sie verkochen verstählern und von innen zu bellen anfangen; wir leben um zu genesen vom tod den wir, zerknittert, mit dem weihnachtsbrot verschluckt damit wir am ende von der detonation des friedens unter dem zwerchfell ums leben kommen cochenillerot A oder E 124 ist ein essbarer, wasserlöslicher farbstoff gemischt mit ein wenig mehl und dem blauen indigotin E 132 eignet er sich ganz gut fürs kunstblut glaubst du, ganze bergketten lassen sich aus styropor anfertigen styropor ist leicht, die schüsse kommen aus dem lautsprecher; vermagst du ein menschenwesen zu verändern, hast du die welt verändert sage ich – nicht jeder mensch ist gleich mensch noch jede welt gleich welt —, wilde tiere fressen einander das ist gesellschaft iss es ist kalt; wir leben unwirklich im willen der elektronen, wir glückliche prosumenten neonihilisten werfer der steine auf die vögel; wir leben in der zeit des fortschritts und der wissenschaft – sammelsurium der komplexe in der abkürzung, wirrwarr zweidimensionaler brüller, jedenfalls überprüfbarer fakten faken ist auch überprüfbar, winselt der wind durchs getötete hemd auf der vogelscheuche es wäre gut, wenn es so wäre (fadeout: die geburtsklinik wurde vom regen gewaschen und im kindergartenhof blühen laut die baumkronen; die schwangere mit bombensplittern im bauch stand auf wusch die farbe von sich und spazierte in die dämmerung hinein – die sie ausgeliehen oder aus den überresten des gefallenen frühlings genäht; wenigstens erträumt hat) ist aber nicht ist aber nicht *
durch den op-handschuh leuchtet die hand des mannes als er die erde von gefundenen objekten abschüttelt. pass bleistift spange gürtel blaues stück hemd taschentuch foto einer jungen frau spiegel. schnuller. babyflasche mit ein wenig verklumpten drecks am boden. windel. darin eine handvoll kleiner vogelknochen. ein haufen plastikspielzeug neben dem t-shirt ohne den jungen drin. ich bin ein bote mit zugenähtem mund. harlekinskopf der übern marktplatz rollt. stumpf. staub. knochen bei lebendigem leibe fünfzig mal gebrochen. erde. nichts. ich bin arme der mutter die auf die baumrinde pochen umnachtet von innen. niemand wird sie befreien. * 1) Die Worte von Jasmin Odobašić, Autor des Buches „Tausend Gräber in Bosanska Krajina 1992 -1995“. Jasmin exhumierte Opfer kroatischer, serbischer und bosniakischer Nationalität in Bosnien und Herzegowina.
trauer verrenkte mir die füße so bin ich spindel und wirbel die lunge der feldmaus in der schaukel der adlerkrallen berührungen ruhen im endoderm ihre schnäbel lass ich an der oberfläche offen. vielleicht erinnern sie sich einmal an ihren ersten atemzug liebe riss mir die zungen raus so bin ich impuls im flügel der adlermutter augenblicke bevor die scheinwerfer sie geblendet und gewimmer aus dem meilenweit entfernten nest in das sie nie zurückkehren wird * nichts steht uns näher als der raum in dem wir nicht sind *
was du siehst, bin nicht ich schau mal, hier das jahrelange vermissen von dir hat mich aus dem raum geworfen und sich in der gussform meiner ehemaligkeit eingenistet. in der parallelwelt reiten unsere kinder auf wolkendromedaren mit benetzten wangen uns entgegen, derweil wächst mein haar aus der erde umschlingt den ahorn überspannt den himmelbildschirm blaß gleichmäßig jahr für jahr für jahr für schau mal, hier unter diesem hügel bunt bewachsen liegt das stillgeborene Unsrige *
frauen parken schlecht und malen wirres zeug auf ihre autos oder hängen babynuppis an den rückspiegel. manch eine trägt zu viel concealer an der linken gesichtshälfte, rippenbruch der ihr nicht bewusst ist schon zum dritten mal, ein wenig stechenden schmerz um die brust du bist seine frau, sagten sie ihr das bist du ihm schuldig du musst du horch du gib beruhige ihn zumindest lässt er dich dann in ruhe hat er aber nicht hat er aber nicht auch dann nicht die brutalste angriffsform ist kein messer an der kehle sondern rosen auf dem tisch nach mittagessen, fürsorglich (oder so ähnlich) vorbereitet für denjenigen, den frau liebt; freitags sind die kinder abends weg unser tag romantik der höhepunkt der zweisamkeit zwei menschen – in guten und in bösen zeiten bis der tod uns — vielleicht leben wir bis dahin noch aber liebes wirklich nicht jetzt harter tag, mir geht es nicht gut; und doch, um seinem plötzlichen verlangen mit ihrem kopf die vase zu zerbrechen vorzubeugen, sagte sie – ja, gut er schob seine liebe (oder so ähnlich) zwischen ihre beine, das ist ihr mann sie liebt ihn wer wird ihr glauben, schlussendlich hat sie 'ja gut' gesagt gesetzmäßig aufgehoben das loch das einst frau war person lebewesen, dennoch meinte sie zu ihrer freundin als sie an ihrem intensivbett saß: „mir wäre lieber, es wäre ein wildfremder gewesen“ viele männer hängen kreuze an ihre rückspiegel damit gott sie behütet falls sie auch heute nacht durch rot rasen *
unter glaskuppeln erinnere ich mich am besten wie das blut des geretteten riecht aus dem nie wieder wach zu werdenden körper schriebst du über die brutalität des diesseits des karussells zu dem du immer wieder vollgekotzt zurückkehrst indem du den narren im schiefen spiegel — dem einzigen ort wo du echt bist, belachst den lärm des daseins der dich spöttisch beäugt bevor er deinen glühenden kopf auf einen stein legt um dich zu sich zurückzuholen, beschämt von der machtlosigkeit deiner eigenen kraft gegenüber, erschrocken vor so viel zärtlichkeit, die aus der bruchstelle rauscht * (glimmende, kleine lichter im hintergrund) weiche vögel knackten den käfig deiner schläfen auf; steigen sie, oder wir fallen in braunen schwärmen, wie bachs preludium das du müßig mit deinen sechsten fingern verstümmelst; auf der flucht vor der fiebrigen wirklichkeit bevor sie deinen kopf unter einen stein legt, ruf mich lass uns wieder über die sinnlosigkeit der vulkane reden die lava auf den meeresboden spucken; die panik temporärer formen vorm drohenden verbindungsabbruch (nur die angst ist unendlich) was wenn der server uns rauswirft wir werden sterben wir werden sterben! wenn der server uns rauswirft lass den akku alle werden und lade ihn niemals wieder; komm frei von waffen der zwangsweise anständigkeit, bring nur dich mit vor einsamkeit und licht entgeistert, nackt lass deine offenen augen in die meinen offenen sinken * alles gut, sagst du, indem du dir das fruchtwasser von der wange abstreichst schau, es ist sonnig die saison der dickeren decken fängt an noch halb im traume besuche ich mein grab unter lichtern der sich nahenden adventszeit *
um ihre tödlichkeit zu verbergen, hängen die leute der liebe kathartische attribute an groß die größte die verrückteste die leidenschaftlichste die lauteste, so bemerkt man schwieriger ihr nichtvorhandensein, die unsrige war klein echt klein und traurig das kindlein welchs wir am verstorbenen eisenbahngleis spazierend aufgefunden haben die blätter vom regen benetzt, die augen glasperlen, die bunten verlassenen planeten ich werde sterben, sagtest du wenn wir sie nicht gleich mitnehmen bitte bitte sagtest du und da *
du warst so wundervoll, lu man konnte schon sehr früh ahnen dass du was besonderes bist du gehst deinen weg – das ist gut so weisst du, wie viele menschen die wege anderer gehen und nennen das dann leben? auch wenn du nicht groß wirst, merk‘s dir: du kannst sein, was immer du willst! und wenn du zu mond hin möchtest, auch dann bleib ich bei dir ich will dich so umarmen, lu dass du spürst – im diesseits kann es auch warm und sicher sein und lu, was für geschichten in jener schlaflosen stund‘! von dir erfuhr ich dass es feen und einhörner gibt tatsächlich! sie leben in den winkeln deines perfekt geschürzten munds ach meine lu, die hände sind taub die augen schwellen schon an; und doch ich schau dir zu. du wusstest schon alles ehe du zu uns kamst du möchtest jetzt gehen, nicht wahr? ich will aber nicht weg von dir auf deinen wangen wachsen rosen wie kostbar, die zu küssen du bist so müde, lu welch leid für dich, dir jetzt noch die tränen unserer irdischen hilflosigkeit ansehen zu müssen du hast nicht einmal geweint. deinen pfad hattest du schon in deinen mild gewölbten händchen zu uns mitgebracht als gabe gnade oder einen abschiedsgruß nun wiegt dich dein baum sicher mit anderen märchenwesen jeden abend in den schlaf. erzählt er was? was sagt er denn? hör ich den widerhall in meiner leere, genau wo dein zu eifriges herz mal war wie sanft du warst und entschieden so stolz, dass ich dich kannte tapfere kleine heldin meine sternenlu *
mancherorts wird die landschaft grob an übergängen zur kälte des plötzlichen nichtwiedererkennens hin die wege verstacheln und dich brüllt die drossel an spuckt die pupillen rein in deine hände und verkriecht sich unter die wipfelachsel. dann trauerst knochen für knochen in deinen taschen hinterfragst du den urbeginn aller dinge im murmelglas gekrümmt, deine augen, unentdeckte wasserplaneten mancherorts entgeistert mich plötzlich deine barfüssigkeit *
als du mich vom dach geworfen hast, beunruhigten sich die windmühlen; mit mir, prallte das in meinen haaren versteckte nest auf den bürgersteig später, meist nachts (die lebendigen fürchten das nicht vorhandene) sammelte ich meine knochen auf, stellte sie nebeneinander und baute sie in allen anatomischen kombinationen erdenklich für ein menschenwesen zusammen; aber nie wollten die füße fort, fest in den knöcheln verbunden noch arme, verkraxelt in unnatürlichem knoten auf dem rücken der kopf, nur der hellwache rollt die straßen hinunter dann nahmen sie die vögel auf sich, stellten sie nach ihrem abbild wieder her fügten die risse zusammen und klebten ihr eigenes fleisch um sie herum; füllten sie dann mit sehnsucht und zwischen die rippen schoben sie mir eine handvoll vom regen befeuchteter erde, nun torkele ich auf den rändern des universums, die nähte kitzeln noch, wundersam ganz – flüstere ich dem winde unters hemd schamlos, wie lebendig lebendig, wie schamlos *
manche dinge können beim namen benannt werden erst wenn sie ein wenig abhängen (guck mich nicht so an.) reifen, vielleicht? (nun wird's besser.) säfte lassen. düfte ansetzen. voller ungeduld zu brüllen anfangen sotto voce (du taust.) dann soll man die erst lieben lernen; sacht am halse packen und bevor sie es wissen, lautlos (die bedeutung) umdrehen *
komm nicht zurück bis du ihn gefunden hast hast du gehört? einen für mich; du weißt schon, warm und groß soll er sein; unterm hemd soll er gelächter statt eines bauchs tragen, und mich im geäst seiner arme von dort sieht man nicht wie winzig wir geworden sind; du und ich die wir uns nicht mehr erkennen. geh! - finde mir diesen läufer hengst dichter flegel pfadfinder er wächst aus den zerplatzten pilzhüten, vom neugeborenen regen erquickt, hörst du? dreh dich um, schalte den fernseher ab, steh auf! auf, auf, auf... und finde ihn jetzt, geh! - schwimm durch die flüsse tauche bis auf den meeresboden hinunter; stiehl das feuer, vielleicht rennt er dir hinterher, das fleisch meines fleisches der urmensch mit tönerner stimme er lechzt nach mir seit jeher er lebt von meinem hunger. geh! - wandere durch ungezähmte wälder, vielleicht hat er sich in einer grotte versteckt; guck genau hin, geh rein; noch weiter bis zum ende, bis ins dunkel, sonst wirst du ihn nicht erkennen! – vielleicht liegt er im sand vergraben oder ist bis zur weitesten insel geschwommen als sein schiff im sturm zerbrach er lebt noch, sicher; geh! - und bleib nicht stehen bis du ihn findest den mann mit kranichschwärmen in den schenkeln *
naja die teddy-ohrringe und solch ein t-shirt hättest was ernsteres anziehen können umgotteswillen bisschen weiblicher vielleicht ist ein wichtiges meeting nichts hinzufügen nichts weglassen es kommen lauter key-player bitte gib dir mühe enttäusch uns nicht „die gravierenden, durch nichts zu unterbindenden bedingungen zwingen uns“ bitte übersetz das richtig „wir geben uns stets mühe“ bitte übersetz das richtig nichts hinzufügen nichts weglassen hübsches mädchen wir rechnen mit deiner hilfe hol noch nen kaffee dazu viel zucker und keine große rede geh nochmal um den tisch und frag die gäste ob ihnen was fehlt – grade laufen brust nach vorne nicht so mürrisch du bist doch jung!, – hast dein ganzes leben voller kaffee mit zu viel zucker vor dir immerhin du bist ein mädchen umhimmelswillen aber bitte übersetz dein gesicht in ein dauergrinsen richtig wie übersetzt man key-player, frag ich den teddy im ohr schlüsselspieler? tastendrücker? hauptdarsteller? da fiel er aus meinem ohr direkt auf die tastatur und drückte „dummköpfe“ ins wörterbuch ganz und gar richtig übersetzt — „die unterbindende, duch nichts bedingbare gravitation (be)zwang uns“ *
hallo mama mir geht's gut ich lebe ohne liebe das ist die eintrittskarte zum normalsein mach dir keine sorgen mama morgen ich denk drüber morgen nach, wenn der letzte vogel verdorrt und vom baum abfällt auf die erde die nach dem regen lechzt dem regen der im himmel vergraben liegt morgen fängt wieder alles neu an ich habe angst mama loszuschreiten denn ich könnte ja mitm bein an die grabwand geraten oben unten links rechts überall wände mama und ich mitten drin mit der murmel in meinem herzen die bebt wie der erste kuss der sich nicht mehr an mich erinnern will sag mir mama bitte ich tu doch das richtige oder ein haar klemmt zwischen meinen zähnen brennt wie die sonne selbst mama wann gebärst du mich denn endlich ich werde sterben mama *
haben kalte, steife körper fahle haut, ruhelose pupillen und schlechte sexuelle reaktion auf die wünsche ihrer partner merkwürdige achselgerüche gesichtshaar unregelmäßige herzen und bäuche ihre scheiden durch zahlreiche geburten ausgeleiert; heißhungerattacken plötzliche ausscheidungen aus diversen höhlen die nicht mehr so glatt sind; frauen über vierzig sind langweilig, selbstgenügsam ohne bedürfnis nach dem partnerschaftlichen verhältnis in dem sie dennoch possessiv sind wenn sie nicht ganz frigide sind, dann verbraucht ihre exzessive lüsternheit die männliche kraft ungestüm und vergebens, denn sie können keine gesunde nachkommenschaft mehr gebären (ihre fruchtbarkeit sinkt plözlich wenn sie die vierzig überschreiten); folglich, sie verlieren an anmut und werden widerspenstig weil sie deiner unzufriedenheit mit ihnen saftig den stinkefinger zeigen mit ihren rau gewordenen stimmen und breiten gelenken ihrem fleisch das sich schon von knochen abspaltet und vor ihnen wegläuft genau wie der mann es tun müsste wenn er seiner geistigen und natürlich auch körperlichen gesundheit einen gefallen tun möchte die brauchbarkeit einer frau über vierzig besteht im wesentlichen in ihrer unbrauchbarkeit *
schreibende frauen werden von klugen männern oft beraten, bei der lesung ein kleines bisschen schulter zu entblößen schreibende frauen müssen sich damit abfinden dass sie nichts dafür können für schreibende frauen ist es viel besser schöne schreibende frauen zu sein; in dem falle könnte passieren dass sie auch jemand liest schreibende frauen werden von der welt (halbwegs) anerkannt wenn sie zum bewunderungsobjekt eines mächtigen typen werden jene infame „seine“ es ist ja nicht egal wer seine pfote drauf legt und wessen glied ihren unterleib beglückt ihre literatur gleichzeitig permanent kastrierend wenn liebe ihnen die zunge entschärft, so anerkannt und beruhigt, fangen sie an träge bettzeuglyrik zu klimpern, die trostlos nach der muße frischer liebenden überkochten bolognese-nudeln und blumen unterm fensterbrett riecht; wenn liebe ihnen das höschen runterzieht werden sie unbedenklich für den verzehr im rauen zustand ohne folgen für den geniesser geeignet schreibende frauen müssen deshalb ihre unruhe gut unterm fell verstecken; lauthals die über jahrhunderte im wolfsmuttermaul gezüchtete zärtlichkeit verteidigen; spuren auf dem weg zu ihrem lager regelmäßig verwischen; den feind verwirren schreibende frauen laufen mit anderen schreibenden frauen in rudeln zusammen sie hüten sich vor allem und allen, insbesondere denjenigen die sie gern vor ihnen selbst gerettet hätten *
wisch dir den mund ab, beine zusammen rock länger, sätze kürzer; erwarte nicht zu viel von lesern, hau den komplizierten kram besser raus, bleib bei süffigen themen dabei; mensch, weib du brichst einem wirklich die knochen! und diese interpunktion fragezeichen komma strich?, – wie ne handvoll schrot auf nüchternen magen (kann sein, dass du schwanger bist? PMS? vielleicht hat dir dein männel wieder in die alte wunde gestochen?) komm geh shoppen pfeif dir ein lexilium rein, du wirst sehen schwuppdiwupp da biste wieder normal; vertusche das blut im titel ruß auf dem laken und näh den hunger zwischen deinen seiten richtig zu; sprich lieber nicht über ’die sachen’ (oder mal gefälligst eine schicht romantik drüber) eine träne geht hier und da sei leicht verdaulich, wenn du schon ein weiblicher schriftsteller bist * brüste höher, hier noch mehr puder komm lach mal; genießt doch dein leben? bist du düster, kleines es kommt noch keine sintflut! und sag mal hast du etwa nicht ein ganzkörperfoto dabei? lass die verträumten blicke in die ferne lieber sein; hol den trumpf raus, verkauf dich richtig (in der jury sind eh nur männer) die verpackung macht es aus; und lass dir sagen, deine oberschenkel in dem rock... der hammer! bleib so wundersam dekorativ und halt verdammt nochmal die klappe sei schon einmal der weibliche schriftsteller *
im vornehmen wohngebiet der besitzer direktoren gesellschafter berät die glücklich verheiratete dame ihre reinigungskraft über die silberzeugpflege; dann schenkt sie sich einen tropfen secco in die sterntulpe ein auf der terrasse schwärmend von der hochgestreckten güte in der hand des italienischen bauarbeiters als er mit der spachtel die kirchenfassade ihrem haus gegenüber sachte schönglättet seltenes glück, so einen ausblick hat nicht jeder, in der tat eingetränkt in die öde der bettwäsche die sie täglich aufs neue über die winkel des sonnenaufgangs spannt schlankmuskeln täuschen die nicht-erinnerung an italien vor; ganz dem meer entsprungen kennt sie besser als ihr senator ingenieur doktor, immer abwesender besitzer des zuhauses in dem anstatt seiner die guten hände von enzo an schlaflosigkeit leiden erhören rufe aus dem leeren unterleib der erde; riechen nach mörtel und milde des gotteshauses noch morgen und fertig ist die fassade die wird glänzen, wie neu, um umso besser die nicht-erinnerung vorzutäuschen secco wird näher prickeln am tulpenboden dran und enzo wird vor dem kruzifix im kleinen dorf bei neapel schwitzen fingerknochenschwörend er habe kein einziges wort deutsch gelernt *
heute früh entnahmen die mir ca. 10ml verdächtige nachrichten; sicherten mit pinzette einige fäden sehnsucht unbekannter herkunft; schlitzten meine nacht auf und unterzogen den inhalt der letzten drei schlaflosigkeiten einer biopsie (so viel deckt die versicherung gegen spontanen fall in erwartungen) in keiner der entnommenen proben so steht’s drin sind spuren von dir nachweisbar *
wer verlässt noch das goldne nest staunten sie – was ich zu suchen habe in jenem ort begraben am rande der geschichte ohne grabstein hunger (ist) beflügelt so hast du mich nah an den zuglos ins nichts ragenden schienen aufgefunden; krankgeschwiegen inmitten von schutt und mörtelstaub der einstigen betonfabrik losfliegen musst du der trauer folgend, du mensch meines lebens * mach dir keinen kopf um mich; ich bleib nicht stehen, nie konnte ich das leben enttarnen, aber gelebt hab ich ohne tarnung unsere kinder werde ich bergauf mitnehmen, ich trage sie im köcher den ich aus deinen händen genäht und mit unseren nächten gesteppt habe. sie halten es schon aus sie schlafen beflügelt in sich selbst siehst du, so viel haben wir geschafft meine seele in deinen trostlosen ikarusgliedern unterzubringen * nun, da wir die hasen beweint und für die freiheit der hyänen gefallen sind, können wir lange über die stellung der sonne in der schale schwafeln trinken, bis der letzte henker tot übern zaun hängt essen, bis der letzte bettler an übersättigung stirbt niemand hat gehört als die wolken unter unseren füßen zu donnern anfingen was ich dir ins ohr geflüstert, einen augenblick bevor wir abgestürzt als ein vogel in unseren motor reinflog du, leben meines menschen *
jeder mensch hat das recht aufs leben und körperliche unversehrtheit, spricht der mensch und drückt mein gesicht gegen die wand; aus meiner hand glitt eine tüte bunter glasmurmeln auf den boden und der letzte milchschluck schwappte über meine netzhäute die notorische rede- und bildfreiheit machte sich über die netzwerke breit, die grausame gaunerin, ihr mund gefüllt mit kugeln und dem blut der anderen, auf welches jeder mensch recht hat der mensch singt lieder und wird ohne freude geboren er schloss das kleine fenster auf der stirn des kerkers in dem die liebe schmachtet, ruhig von sich selbst entführt und wartet dass man ihr das urteil in den rücken eingraviert nackt und gefesselt winkt sie vom markt lächelt dem hinrichtungskommando in die hinterköpfe sie wird umgebracht! sie werden umgebracht!, - spricht sie aber niemand hört, sie wird nur betrachtet, so wie man seine beute betrachtet, angst hat sie keine mehr, schon lange läuft sie leblos unter menschen sie hat es nicht überlebt, als versprochen wurde dass morgen alles wieder gut wird, noch die stille nachdem die kamera ausgeschaltet wurde, den kuss auf der stirn des neugeborenen bruders, noch den orangenbaum der nicht mehr blüht; noch einen irren im auto, sie hat es nicht überlebt, zu warten bis es hell wird weil tagsüber werden nur die gräber sichtbarer, dicht beieinander, sie hat nicht die füße überlebt, zu klein für den weg den sie angetreten unter ihnen knirschen glassplitter in millionen stücke zerschellt, das karottenfarbene herz der welt *
jemand anderes betrachtet durch das offene fenster mein inneres, dem erdboden gleichgemacht. zählt die ersten zähne und die nicht vorhandenen kindergeburtstage. wohin mit mir? ich bin in diese wände eingemauert, in die kissenhüllen eingewoben, die rote haarsträhne im kamm, in den abdrücken kleiner hände auf den fensterscheiben festgeschrieben. wer bin ich? der kehlkopf, erstickt an abgelöschter glut der zärtlichkeiten. der name, mit wunden übersät. in diesem körper ist niemand. ich bin ein stück fleisch das schmerzt, am wegrand als rabenfraß entsorgt. unidentifizierter sterblicher überrest vom tode abgewiesen und in der finsternis zwischen zwei worten liegengelassen. meine nerven sind spinnenweben durch meine halsschlagadern rollen steine um die flut zu dämmen, die die enthaupteten erinnerungen trägt blutabwärts, bis in die ruhe. meine zunge, giftverbrannt hat unser lied vergessen. das herz am meeresboden. augen in der erde. euch gibt es nicht. *
vom kleinen weltuntergang jedes mal wenn unsere augen sich begegnen, schreiben wir; unsere augen einsamer raubvögel unsere augen mondsüchtiger liebenden unsere augen vereitelter bluttäter, schreiben wir so wie wir über die schienen schreiben, die die dämmerung verschluckt unendlich ist nur die hoffnung in unseren verkrallten fingern durchschnittlicher güterzug wiegt ca. 5000 tonnen, bombe eine tonne, durchschnittlicher fünfjähriger körper fünfzehn kilo, nüchtern zählen wir auf brüche wunden prellungen mengen kräfte gruppen elemente todesursache: unterbrechung der kontinuität der vertebralarterie, träume die träume haben wir vergessen wie ein stück verklumpter trauer in einer hand wie meiner wie deiner, ausreicht um das neugeborene all zu zerfetzen wenn alles sich beruhigt (und das wird, immer beruhigt es sich) werden wir neue gesetze schreiben und die sternenzygoten, aus dem kleinen unterleib verschüttet erklären wir für reif auf unseren wimpern die sich küssen, küssen die verbrannte welt, mit der unverschämtheit derjenigen die ihren eigenen blutdurst überlebt haben; warum haben wir die liebe vergessen ihr die arme gebrochen, die sie aus dem abgrund zu uns ausgestreckt; ihr nahrung und wasser entzogen ihren nackten körper zur wand gedreht und ihr einen schuss in den hinterkopf gegeben, warum haben wir die liebe verketzert, die liebe keimt aus dem widerstand, schreiben wir so wie wir über asche des himmels und grundriss der sehnsucht schreiben in mich passen täglich zwei größere flaschen der nachrichten mit kinderlachen verdünnt hinein; so viel steht in der garantie über die widerstandsfähigkeit des menschlichen fleisches gegen den tod die restworte begraben wir in die ungeheiltheiten umsonst. wir treiben wieder aus dem frühling entgegen *